1. Runde 2018

Aufgabenblatt 2017Aufgabenblatt 2018
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Aufgabe 1: Freche Früchtchen (Botanik, Ökologie)

a) Zeichnen Sie im Längsschnitt eine Apfelblüte und einen Apfel. Beschriften Sie beides und ordnen Sie die Bestandteile der Blüte denen des Apfels zu.

b) Die alltagssprachliche Einteilung in Obst und Gemüse entspricht nicht immer der botanischen Einordnung. Nennen Sie zwei allgemein typische Unterschiede zwischen Obst und Gemüse sowie die botanische Unterteilung.
Ordnen Sie die folgenden Beispiele Fruchttypen zu: Apfel, Banane, Erdbeere, Himbeere, Kokosnuss, Melone, Paprika, Tomate.

c) Untersuchen Sie experimentell die Keimungsfähigkeit von frischen Apfelkernen einer diploiden Sorte unter folgenden Bedingungen:
(I) unbehandelt
(II) nach Entfernen der braunen Samenschale
(III) nach Entfernen der braunen Samenschale und des dünnen hellbraunen Endospermhäutchens.
Protokollieren Sie und dokumentieren Sie mit Fotos.
Stellen Sie zwei Hypothesen auf, um Ihre Beobachtungen zu erklären. Planen Sie dazu ein Experiment und geben Sie das jeweils zu erwartende Ergebnis an. Recherchieren Sie, wie in der Natur die Keimhemmung überwunden wird.

d) Bewerten Sie die Reife eines Apfels, bei dem mittels Refraktometrie 17 Grad Brix bestimmt wurden. Erklären Sie die Methode. Beschreiben Sie einen alternativen Test zur Ermittlung der Reife und das bei diesem Apfel zu erwartende Ergebnis.

e) Spezielle Hefen wie Aureobasidium pullulans stimulieren den Verteidigungsstoffwechsel von Obstgehölzen und schützen vor Krankheiten wie Feuerbrand und Apfelschorf. Nennen Sie drei Vorteile eines auf dieser Basis wirkenden natürlichen Pflanzenschutzpräparats gegenüber herkömmlichen chemischen Mitteln.

Aufgabe 2: Die Vielfalt macht’s (Ökologie, Evolution)

Genetische Variabilität ist bedeutsam für die Evolution von Populationen.

a) Der Phänotyp „angewachsenes“ bzw. „frei hängendes“ Ohrläppchen wird beim Menschen vereinfacht gesehen von zwei Allelen eines Locus bestimmt. Ermitteln Sie die Häufigkeiten der beiden Ohrläppchen-Phänotypen in Ihrer Klasse. Berechnen Sie basierend auf Ihrer Auszählung die Allelfrequenzen und den Anteil Heterozygoter in der Klasse unter der Annahme einer idealen Population.

b) Nehmen Sie an, Sie und die Mitschülerinnen und Mitschüler Ihrer Klasse wären die letzten überlebenden Menschen. Erläutern Sie die Faktoren, die bei kleinen Populationen zum Aussterben führen, sobald die minimale überlebensfähige Populationsgröße unterschritten wurde. Diskutieren Sie, ob Ihre Population überlebensfähig wäre.
Werden Individuen selten, verschwinden aus dem Genpool der Population auch Allele, die einen positiven Anpassungswert haben. Die Bedeutung des Erhalts der genetischen Vari- abilität wird beim Artenschutz zunehmend stärker beachtet.

c) Der asiatische Gepard ist in der Wildnis selten geworden, er existiert nur noch im Iran. Nennen Sie den Erhaltungszustand und überprüfen Sie anhand der Erhaltungszustands- Kriterien der Roten Liste der IUCN, ob die Einstufung gerechtfertigt ist.

d) Zum Schutz einer Art kann es notwendig werden, Populationen umzusiedeln. Erläutern Sie am Beispiel der Laysan-Ente die Gründe einer teilweisen Umsiedlung.
Diskutieren Sie die Vorschläge Indiens, entweder den afrikanischen oder den asiatischen Gepard in Indien anzusiedeln.

Aufgabe 3: Blut ist dicker als Wasser (Zoologie, Genetik)

Noch vor 100 Jahren war eine Bluttransfusion lebensgefährlich. Heutzutage ist diese Maßnahme dank des Wissens über die Blutgruppen lebensrettend.

a) Stellen Sie den biochemischen Aufbau der Antigene und Antikörper der menschlichen ABNull- und Rhesus-Blutgruppen dar. Erklären Sie, inwiefern man diese Blutgruppen bei der Spende von Blutplasma und roten Blutkörperchen beachten muss.

b) Begründen Sie das Auftreten von Antikörpern gegen die ABNull- und Rhesus-Blutgruppenmerkmale. Bei menschlichen Zwillingen kann es vor der Geburt zum Austausch von blutbildenden Zellen kommen. Die Folge kann ein Blutgruppen-Chimärismus sein. Diskutieren Sie eine mögliche Gefährdung chimärer Zwillinge durch eine Bildung von Antikörpern.

c) Kuhl-Büschelaffen (Callithrix kuhlii) kommen in der Regel als zweieiige Zwillinge zur Welt. Bei ihnen treten nicht nur blutbildende Zellen des jeweils anderen Zwillings im Körper auf, sondern auch Zellen anderer Organe und sogar Keimbahnzellen. Die folgende Tabelle gibt den Anteil der getesteten Individuen an, welche chimär für dieses Organ sind.

GewebeChimäre Individuen in %
Plazenta100,0
Milz50,0
Leber38,5
Lunge13,3
Keimbahn9,5
Gehirn3,2

Interpretieren Sie die unterschiedlichen Häufigkeiten unter Einbeziehung der Organentwicklung.

d) Der Nachweis des Chimärismus beruht auf MikrosatellitenAnalysen. Stellen Sie diese Methode grafisch dar.

e) Kuhl-Büschelaffen leben in Kleingruppen, wobei sich meist ein dominantes Weibchen mit den verschiedenen Männchen der Gruppe fortpflanzt. Die gesamte Gruppe beteiligt sich an der Jungenaufzucht. Begründen Sie das Sozialverhalten der Kuhl-Büschelaffen vor dem Hintergrund des Chimärismus.

Aufgabe 4: Durch‘s Netz geschlüpft (Evolution)

Der industrielle Fischfang bedroht viele Fischbestände.

a) Nennen Sie vier bedrohte Speisefischarten der Nord- oder Ostsee.

b) Neben der Artenbedrohung führt der industrielle Fischfang dazu, dass einige Speisefischarten zunehmend kleiner und früher geschlechtsreif werden. Dieses Phänomen wird „Fischerei-induzierte Evolution“ genannt. Erklären Sie, wie der industrielle Fischfang zu diesen beiden Veränderungen geführt hat.

c) Forscher haben am Zebrafisch Danio rerio untersucht, ob die selektive Entnahme großer oder kleiner Fische den Fortpflanzungserfolg der Population beinflusst. Hierfür wurde die Nachzucht einer Wildpopulation in drei Becken aufgeteilt. Nachdem die Nachzucht Geschlechtsreife erreicht hatte, wurden aus jedem Becken 75% der Fische entfernt: Aus Becken 1 nur die kleinsten Fische, aus Becken 2 nur die größten Fische und aus Becken 3 eine zufällige Auswahl. Danach konnten sich die Fische einmal fortpflanzen. Schließlich wurde für jedes Weibchen
die Anzahl geschlüpfter Fischlarven gezählt. Eine Stichprobe der Ergebnisse sah folgendermaßen aus:

BeckenAnzahl der geschlüpften Fischlarven
151, 38, 37, 35, 34, 46, 35, 36
220, 11, 18, 16, 10, 14, 19, 18
328, 32, 29, 28, 23, 32, 33, 35

Berechnen Sie die mittlere Anzahl der Nachkommen für die Becken und die Standardabweichung auf eine Dezimalstelle gerundet. Zeichnen Sie ein Säulendiagramm mit Fehlerbalken. Formulieren Sie den im Diagramm ablesbaren Zusammenhang.

d) Nehmen Sie an, dass der Zusammenhang von c) auch für Speisefischarten gültig ist. Erläutern Sie, welche Auswirkung dies auf die Rate hätte, mit der sich Fischbestände von Überfischung erholen.

e) Nennen Sie zwei politische Maßnahmen, um die Veränderungen aus b) zu minimieren. Erklären Sie, wie diese Maßnahmen wirken würden.