9. Internationale Biologieolympiade in Kiel

Das IPN richtete die 9. IBO 1998 mit Gästen aus 36 Nationen aus

Titel

Eine Woche lang,vom 19. bis 26. Juli, herrschte olympischer Geist in Kiel. 132 Schülerinnen und Schüler aus 33 Nationen maßen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten an biologischen Themen in theoretischen und praktischen Aufgaben. Selbst bei den besten ihrer Länder rauchten die Köpfe, doch auch, wer keine Medaille erhielt, wurde mit einer aufregenden Woche und neuen Freunden aus aller Welt belohnt.

Nachdem sich die Bundesregierung vor drei Jahren bereit erklärt hatte, den Wettbewerb 1998 in Deutschland auszurichten und zu finanzieren, übernahm es das IPN, in dem auch die nationalen Auswahlrunden koordiniert werden, die IBO 98 zu organisieren.
Zwei Komitees bereiteten die praktischen und theoretischen Klausuraufgaben sowie die Rahmenorganisation des Ereignisses vor. Dem ersten Team gehörten acht Hochschullehrer der Christian-Albrechts-Universität Kiel und der Universität Rostock an. Ziel war es, Aufgabentypen mit problemlösenden Fragestellungen zu entwickeln und ihnen den Vorrang vor reinen Wissensfragen zu geben. Außerdem sollte der Nachweis erbracht werden, daß es möglich ist, "echte" praktische Aufgaben zu stellen, bei denen die Schüler nur über Methodenanwendung zum Ziel gelangen. Diese Ideen waren in den letzten beiden Biologieolympiaden in Artek auf der Krim (Ukraine) und in Ashghabad (Turkmenistan) nach allgemeiner Auffassung zu kurz gekommen.
Daneben mußte natürlich auch ein anspruchsvolles Rahmenprogramm entwickelt werden, das den internationalen Delegierten Gelegenheit geben sollte, Landschaft, Lebensweise und Kultur in Deutschland kennenzulernen. Dieses wurde von einem Team des IPN vorbereitet und organisiert.

Schließlich wurden etwa 35 Sponsoren aus Industrie und Wirtschaft gefunden, die die IBO finanziell unterstützt haben, darunter sechs Hauptsponsoren: Ferring Arzneimittel GmbH, Kiel; Monsanto GmbH, Düsseldorf; Novartis GmbH, Wehr; Eppendorf-Netheler-Hinz GmbH, Hamburg; Verband forschender Arzneimittelhersteller (VfA), Bonn; Pasteur-Merieux M.S.D., Leimen.

Neher
Nobelpreisträger Prof. Dr. Erwin Neher hielt den Festvortrag bei der Eröffnung der IBO

Am Sonntag, dem 19. Juli, war es endlich soweit: 33 Länder ließen je vier Schüler und bis zu sechs erwachsene Delegierte zum hochkarätigen Nationenvergleich um Fähigkeiten und Fertigkeiten im Fach Biologie anreisen. Drei weitere Nationen entsandten Beobachter, um in Zukunft an der Olympiade teilnehmen zu können. Entsprechend dem Reglement wurden Erwachsene und Jugendliche getrennt untergebracht, die Erwachsenen im Hotel PRISMA in Neumünster, die Jugendlichen in der Jugendherberge Westensee.

Feierliche Eröffnung im festlich hergerichteten Kieler Schloß. Eingebettet in klassisch-barocker wie auch swingend moderner Musik wurden am Montag die Gäste vom Präsidenten der IBO, Prof. Dr. Horst Bayrhuber, dem Parlamentarischen Staatssekretär beim BMBF, Bernd Neumann, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein, Rainder Steenblock, dem Oberbürgermeister der Stadt Kiel, Norbert Gansel, sowie dem Rektor der Universität Kiel, Prof. Dr. Ruprecht Haensel, begrüßt. Nachdem die Mannschaften hinter ihren Fahnen einmarschiert waren - manch einer gestand anschließend einen Schauer auf dem Rücken - sprachen Jessica Trebilco (Australien) und Pavel Nikanorkin (Rußland) stellvertretend für alle den olympischen Eid.

Vier Labore, ein genetisch- molekularbiologisches, ein stoffwechselbiologisches, ein botanisches und ein ethologisches, waren am Dienstag in der praktischen Klausur im Biologiegebäude der Universität Kiel von den Wettkämpfern zu bestehen. Sechs Stunden Schwerstarbeit mit Aufgaben, die für manchen Biologiestudenten mittlerer Semester zur harten Prüfung geworden wären.

Wettkampfpause am Mittwoch. Zusammen mit ihren Guides - Studenten der entsprechenden Nationen, die vom akademischen Auslandsamt der Universität Kiel benannt worden waren - machten die Jugendlichen eine Exkursion nach Hamburg. Natürlich zu Hagenbeck und dort auch hinter die Kulissen, mit der Barkasse durch den Hafen und zum gemeinsamen Essen auf das Museumsschiff "Rickmer Rickmers".

Praktikum Exkursion Uhlarz
Prof. Dr. Uhlarz im Gespräch mit einem Olympiade-Kandidaten

Währenddessen tagte die Jury, um über die theoretischen Aufgaben für den folgenden Tag zu beraten. Am Donnerstag wurde es wieder ernst. In einer vierstündigen Klausur wurden theoretische Kenntnisse geprüft. Erneut ging es nicht so sehr um das Abfragen von Wissensbeständen, sondern um die Fähigkeit, die vorhandenen Kenntnisse zur Lösung komplexer Probleme einzusetzen.

Dann war es für die Schüler überstanden. Während sich die Jury mit der Auswertung des Wettbewerbs plagen mußte, standen für die Wettkämpfer Spiel, Spaß und die neuen Freunde im Vordergrund. Am Nachmittag ging es zu einer gemeinsamen Exkursion in die UNESCO-Stadt Lübeck, und am Freitagvormittag ins Wattenmeer an der schleswig-holsteinischen Westküste. "Statt Wüstenboden Wattenschlick unter den Füßen", texteten die Husumer Nachrichten, und tatsächlich war die Wattführung mit den Rangern des Nationalparks für die meisten ein beeindruckendes Erlebnis.
Medaillen hin oder her, für viele der Jugendlichen wird der Freitagabend der Höhepunkt der IBO gewesen sein. Das Team der Jugendherberge hatte ein rauschendes Fest vorbereitet: Barbecue und Tanz mit Livemusik am Westensee. Die Jurymitglieder hatten nur für einen kurzen Besuch Zeit; dann mußten sie bis tief in die Nacht die Ergebnisse der theoretischen Klausur sowie die Medaillenränge des Gesamtwettbewerbes diskutieren.

Die Siegerin
Die Einzelsiegerin mit der höchsten Punktzahl, Guo Jing aus China

Die Kultusministerin des Landes Schleswig-Holstein, Gisela Böhrk, verlieh gemeinsam mit dem stellvertretenden Oberbürgermeister der Stadt Kiel, Dr. Peter Kirschnick, Urkunden und Medaillen an die erfolgreichen Teilnehmer. Einzelsiegerin wurde die Chinesin Guo Jing. Mit ihrer Mannschaft gewann sie auch die inoffizielle Nationenwertung.
Gleich dahinter plazierte sich die deutsche Schülermannschaft. Niels Dreyer (Burg auf Fehmarn), als sechster der Einzelwertung Bester seines Teams, und Arite Franz (Chemnitz) errangen Gold, Stanley Heinze (Wilthen bei Bautzen) und Thorsten Piotrowsky (Plettenberg bei Lüdenscheid) jeweils Silber. Hinter ihnen kamen die australischen Schülerinnen und Schüler auf den dritten Rang.

Durchweg zufriedene Mannschaften wurden am Sonntag zu ihren Abreisepunkten begleitet oder per Shuttledienst zu den Flughäfen gebracht. Am Ende konnten alle Teilnehmer auf eine rundum gelungene Olympiade zurückblicken.

Medallienuebergabe Lucius und Binding
Gisela Böhrk, Kultusministerin des Landes Schleswig-Holstein, überreicht Niels Dreyer (Mi.), dem Besten des deutschen Teams, seine Medaille
Dr. Eckhard Lucius, Hauptorganisator der IBO 1998, (li.) zusammen mit Prof. Dr. H. Binding, Biologe an der CAU Kiel

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