20. IBO 2009 in Tsukuba (Japan)

Die Sicht eines Schülers und eines Betreuers

Schnellbahn nach Tokio
Sehr sauber und schnell: Dave Hartig und Marcel Kuckelkorn in der Schnellbahn von Tsukuba nach Tokio

In Tokio aus dem Flugzeug ausgestiegen, mussten wir uns schnell an das anstrengende Klima in Japan (30°C und 70% Luftfeuchtigkeit) gewöhnen – und auch den Jetlag von 9 Stunden überwinden. Dazu waren wir einen Tag früher angereist. Zunächst fuhren wir daher in unser Hotel in Tsukuba, meldeten uns an und mussten sogleich die Körpertemperatur messen. Als Erkennungsmaßnahme einer möglichen Schweinegrippeerkrankung durften wir dies nun jeden Morgen und Abend wiederholen – mit gesponsorten Fieberthermometern eines japanischen Elektronikkonzerns. Dann hatten wir auch noch Zeit, um mit der Schnellbahn nach Tokio zu reisen und so noch etwas zu sehen und kennenzulernen.

Shoppingzeile in Tokio
In ungezählten kleinen Shoppingzeilen Tokios flanieren nachmittags auch Japaner, um Einkäufe zu erledigen

Am nächsten Tag startete die IBO offiziell mit der Eröffnungszeremonie. Unter anderem vertreten war auch die kaiserliche Familie durch den Prinzen Akishino und seine Frau: „Jeder von euch ist bereits ein Gewinner und jeder kann den wertvollsten aller Preise erhalten: Freunde“. Unter diesem Motto stand nun unsere Woche. Natürlich standen auch die Prüfungen im Zentrum.

Deutsches und Mexikanisches Team
Internationaler Austausch: Das deutsche Team (oben) und das mexikanische Team in Landestrachten

Die erste Jurysession begann. Unsere Aufgabe als Betreuer war es, die Prüfungen vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen und gleichzeitig über die Praktika zu diskutieren. Die meisten aus dem deutschen und schweizer Betreuerteam haben fleißig übersetzt, während Dennis Kappei (deutsches Team) und Daniel Wegmann (schweizer Team) mit den Englisch sprechenden Teams, über die Prüfungsaufgaben diskutierten um noch letzte Unklarheiten ausräumten. Wenn es keine Einigkeit gab, wurde im Plenum abgestimmt. Manchmal wurde kontrovers diskutiert, und verschiedene Länder versuchten andere argumentativ auf ihre Seite zu ziehen. Dieses Jahr waren die Prüfungsaufgaben sehr gut vorbereitet, denn es wurden praktisch keine Fragen gestrichen oder stark verändert, sodass unser Betreuerteam viel früher fertig wurde als in den letzten Jahren.

Sushi
Was es zum Essen gab wurde nicht selten vorher ausgestellt...

Die Räumlichkeiten, in denen die praktischen Tests stattfanden, konnten wir noch am gleichen Tag begutachten. Am nächsten Tag stellten sich die Schüler dann den folgenden Aufgaben: Seidenraupe sezieren, Pflanzensamen aufschneiden und anfärben, Fragen zu Drosophila-Fliegen und ihren Mutationen und Vererbungen beantworten, Augenpigmente der Drosphilas auf einem Chromatogramm auftrennen, eine Gelelektrophorese dieser Pigmente machen, die Enzymaktivität eines Proteins durch Messungen und Berechnungen bestimmen, Hefezellen auf das Stadium ihrer Cytokinese untersuchen, und vieles mehr. Aufgeteilt in vier verschiedene Gruppen verbrachten die Schülerinnen und Schüler den Tag mit den Teilnehmern anderer Länder, um alle vier Praktika in je 1,5 Stunden zu absolvieren. In den theoretischen Tests am übernächsten Tag mussten die Schülerinnen und Schüler Fragen zu allen Themengebieten der Biologie beantworten. Ein theoretischer Teil war als Multiple Choice Test gestellt, im anderen Teil mussten Fragen in komplexerer Form beantwortet werden.

Deutsches Team in Tokio
Das deutsche Team mitten in Tokio

Damit es den Teilnehmenden zwischen den Tests nicht langweilig wurde, war das Programm gut gefüllt. So besuchten sie diverse wissenschaftliche Einrichtungen, wie ein Space Center, ein naturhistorisches Museum und das Expo Center in Tsukuba. Auf einem Ausflug nach Nikko mit den Betreuern konnten die Teammitglieder auch Japan selber und vor allem die ländliche Seite etwas besser kennenlernen, denn wir wurden mir mit der Aussicht auf einen großen Wasserfall sowie mit der Besichtigung von interessanten Tempeln belohnt. Auch das Mittagessen war oft ganz japanisch mit Tempuragemüse, Sushi und Nudelsuppe. An einem Abend lernten die Schüler Origami falten, daneben auch Volkstanz. Natürlich konnten alle auch vieles von unseren japanischen Guides über Japan lernen. Wenn das offizielle Programm beendet war, konnten sich die Schülerinnen und Schüler in ihrer Unterkunft noch lange weiter unterhalten, Karten spielen, Bräuche und Sprachen austauschen und ein wenig feiern. Doch wie alles hatte auch die IBO-Woche einmal ein Ende. Mit weiteren Ansprachen und Glückwünschen zu unserer Leistung wurde die Schlusszeremonie eröffnet.

Deutsches Team mit Medaillen
Die Preisverleihung: v.l.n.r. Jan Krieghoff, Dave Hartig, Marcel Kuckelkorn, Ilia Kats, eingerahmt von ihren Betreuern Dr. Eckhard Lucius, Dennis Kappei, Dr. Christiane Mühle

Als der Moment kam, an dem die ersten Medaillen vergeben werden sollten, bemerkte man die Spannung in unserem Schülerteam. Wir Betreuer ahnten aber schon vorher die guten Ergebnisse der Schüler, weil wir die Korrekturen geprüft hatten.

Die 20. IBO 2009 wurde mit folgenden Ergebnissen abgeschlossen:

Silbermedaille: Jan Krieghoff
Silbermedaille: Dave Hartig
Silbermedaille: Ilia Kats
Bronzemedaille: Marcel Kuckelkorn

Mit diesen Leistungen wurde Deutschland weltweit 11. Nation von 55.

 

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