2. EUSO 2004 in Groningen (Niederlande)

Gold und Silber für neun deutsche Schülerinnen und Schüler

In der Zeit vom 2. bis zum 8. Mai 2004 fand in Groningen (Niederlande) zum zweiten Mal eine Naturwissenschaftsolympiade der EU-Mitgliedsstaaten statt. Die EUSO (European Union Science Olympiad) richtet sich an 15- bis gerade erst 17jährige Schülerinnen und Schüler, die besondere Begabungen in den Fächern Biologie, Chemie und Physik zeigen.

Das Konzept für die Art der Aufgabenstellung und -bearbeitung wurde vom IPN mit ins Leben gerufen. Jede teilnehmende Nation darf bis zu neun Schüler entsenden, jeweils drei aus dem Umfeld der Biologie-, Chemie- und Physikolympiaden. Daraus können maximal drei Schülerteams aus jeweils drei Schülern gebildet werden. Jedes Team muss sich interdisziplinär zusammensetzen, d.h. je eine Begabte oder einen Begabten in Biologie, Chemie und Physik einschließen. Die Aufgaben müssen interdisziplinär angelegt sein, also sowohl biologische als auch chemische und physikalische Fragestellungen beinhalten, so dass jeder als Experte oder Expertin eines Teams einen Beitrag leisten kann. Die Teams sollen demnach interdisziplinär arbeiten, sich die Teilaufgaben untereinander sinnvoll aufteilen und das Gesamtergebnis gemeinsam herausarbeiten.

Natürlich bedarf es bei dieser Form der Zusammenarbeit einer intensiven Vorbereitung (s. Schülerbericht), bei der auch die Teams "entstehen". Denn Olympiadeteilnehmer können nicht unbedingt den Anforderungen benachbarter Fachgebiete gerecht werden, und sie kennen sich häufig auch nicht untereinander. Die Vorbereitung fand in diesem Jahr zum zweiten Mal an der Universität Leipzig im Institut für Biochemie statt.

Die drei deutschen Dreierteams bildeten sich aus einem Mädchen und acht Jungen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Sie hatten sich in der dritten Runde der Biologieolympiade und der Physikolympiade sowie in einigen Mittelstufenwettbewerben der Chemie qualifiziert.

Die folgenden Zusammensetzungen der drei Teams sind jeweils in der Reihenfolge Biologie, Chemie und Physik aufgeführt.

EUSO 2004
Die deutschen Teilnehmer(innen) nach der Medaillen-verleihung auf den Stufen des Erfolges. [Hintere Reihe (v.l.n.r.)] Patrick Schmidt (Bad Homburg), Johannes Lahr (Jena), Reinhard Zschoche (Meißen), [mittlere Reihe] Robert Rosch (Jena), Stefan Milde (Jena), Martin Thomas (Jena), [vordere Reihe] Jan Schmidt (Cottbus), Esther Honisch (Frankfurt/Oder), Alexandru Dafinca (Frankfurt/Main).

Neben unseren Teams waren die von sechs weiteren EU-Staaten beteiligt, und zwar Belgien mit zwei Teams, Irland mit drei Teams, die Niederlande mit drei Teams, Spanien mit drei Teams, Schweden mit drei Teams und das Vereinigte Königreich mit zwei Teams, so dass insgesamt 19 Schülerteams mit 57 Schülerinnen und Schülern anwesend waren. Ferner waren Beobachter aus Estland, Griechenland, Lettland, Polen, der tschechischen Republik, Zypern und Malta entsendet worden.

Alle Teams mussten an zwei Tagen zwei praktische vierstündige Aufgaben meistern. Beide Aufgaben hatten Chemolumeniszens zum Thema, am ersten Tag unter biochemischen, am zweiten Tag unter chemisch-physikalischen Gesichtspunkten. Die Arbeitsweisen in den meisten Teams waren wieder durch Selbstständigkeit, Kreativität im Finden von Lösungen, gegenseitige Hilfestellungen innerhalb der Teams, Interaktionen zwischen den Bearbeitern einzelner Teilaufgaben und interdisziplinärer Vorgehensweise geprägt. Alle Delegationsleitungen, aber auch die Schüler selbst waren von der Art der Aufgabenstellung und die Möglichkeiten ihrer Bearbeitung begeistert, die Motivation der Teams war durchweg hoch.

Mit insgesamt sechs Gold- und drei Silbermedaillen schnitten unsere Schüler hervorragend ab. Das erste Team hatte 97,5 Prozent, das zweite 92,3 Prozent der möglichen Punkte erreicht. Das ist im internationalen Vergleich einsame Spitze: Das dritte deutsche Team belegte außerdem Platz 5.

EUSO 2004
Das beste Team mit 97,5 Prozent und der EUSO-Wander-Trophäe, von links: Johannes Lahr (Jena), Reinhard Zschoche (Meißen), Stefan Milde (Jena) mit dem Uni-Präsidenten von Groningen.

Das Rahmenprogramm führte die Schüler durch Groningen und seine typisch holländische Umgebung. Weitere Informationen sind in diesem Schülerbericht nachzulesen.

Die EUSO wird 2005 zum dritten Mal ausgerichtet, und zwar von der Tschechischen Republik in Prag. Auch für die nächsten Jahre haben bereits Mitgliedsstaaten ihr Interesse zur Ausrichtung bekundet, so dass sich die EUSO zu einer jährlich wiederkehrenden Einrichtung etabliert hat.

Aufgrund des großen Erfolges der Carl-Zeiss-Schule in Jena, die immerhin vier der neun bundesweit ausgesuchten Schüler gestellt hatte, hat der Thüringer Kultusminister die EUSO-WAndertrophäe im Rahmen einer Feierstunde an die Leitung der Carl-Zeiss-Schule übergeben.


Informationen zum Thema:

Dr. Eckhard R. Lucius, IPN