2. IJSO 2005 in Yogyakarta (Indonesien) vom 4.12. - 13.12.2004

Weiter auf der Erfolgslinie ...

IJSO 2005
Das Poster zur zweiten IJSO

Zum zweiten Mal hatte Indonesien eingeladen zu einer Internationalen Junior Science Olympiade. Dieser Wettbewerb wendet sich nicht wie auf den Internationalen Olympiaden der Biologie, Chemie oder Physik fachspezifisch an die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 2. Er zielt vielmehr auf die mathematisch-naturwissenschaftliche Begabung Jüngerer der Sekundarstufe 1, nämlich 13- bis 15jähriger, und zwar in allen Fächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik.

Die Einladung für ein sechsköpfiges deutsches Schülerteam war dieses Mal rechtzeitig genug, um schon im Frühsommer mit dem Nominierungsverfahren zu beginnen. Hierfür wurden die Landesbeauftragten der Internationalen Olympiaden gebeten, Schülerinnen und Schüler mit einem Anmeldeformular bis zum 16. September 2005 bei der Bundesgeschäftsführung der IBO/IJSO anzumelden. Diese durften am 31. Dezember dieses Jahres noch keine 16 Jahre alt sein, oder anders ausgedrückt: Im Jahr 1990 oder später geboren sein.

Nach einem ersten Auswahlverfahren am IPN fand das eigentliche Auswahlseminar vom 16. bis zum 19. Oktober an der Hochschule Merseburg statt.

Insgesamt wurden von allen Landesbeauftragten der Naturwissenschaftsolympiaden 68 Kandidatinnen und Kandidaten nominiert, von denen 18 Jugendliche am IPN ausgewählt wurden, an dem Vorbereitungs- und Auswahlseminar in Merseburg teilzunehmen.

Im Auswahlseminar wurden montags Seminare in Biologie und Physik sowie im Anschluss daran praktische Testaufgaben durchgeführt.

Am Dienstagfrüh gab es ein Chemie-Seminar mit anschließendem Test, am Nachmittag wurde die theoretische Klausur in den Naturwissenschafts-Fächern geschrieben.

Am Mittwoch schloss sich noch ein Astronomie-Seminar an. Am Ende standen die neun Besten [sechs Mannschaftsmitglieder für Jakarta plus drei Ersatzkandidat(inn)en] fest. Für die Beteiligten war die Veranstaltung lehr- und lernreich, was auch der Presse nicht verborgen blieb.

Das Team 2005
Nina mit unserem Team (v.l.) Thai Le Tran, Stefanie Kosan, Franziska Flegel, Dave Hartig, Richard Bardl und Bertram Arnold am Fuße des zweithöchsten aktiven Vulkans der Erde, des Merpati bei Yogya.

Kurz vor der Abreise waren die an uns gestellten Erwartungen in den Medien groß.

Gut vorbereitet und Dank der Hilfe der indonesischen Botschaft in Berlin und der deutschen Botschaft in Jakarta startete unser Team am Abend des 2. Dezember Richtung Jakarta. Nach 14 Stunden Flugzeit inklusive Flugpause in Bangkok andlich in Jakarta angekommen, trafen wir das irische Team im Flughafenhotel am Abend (Ortszeit). Schon nach der ersten Nacht war der gefürchtete Jet-Lag überstanden.

Ein Shuttleflug mit Garuda Indonesia brachte uns nach Yogyakarta oder kurz Yogya, wo wir herzlich empfangen wurden, und unsere Schüler Ihren Guide namens Nina an die Seite gestellt bekamen. Nina begleitete fortan unser Team auf allen Wegen: Zu den Exkursionen, zum Essen, zu den Prüfungen.

Am Abend sahen wir unsere Schüler vorerst zum letzten Mal, beim Willkommen-Dinner im Sultanspalast von Yogya. Aufführungen und exotische Gerichte tauchten alle Teammitglieder in eine uns unbekannte Welt. Königinnen auf Drachenvögeln, den Garudas (aha, daher der Name der indonesischen Fluggesellschaft), kämpften auf der Bühne zu Gambelan-Musik, und einer Musik urtümlicher Schlag- und Blasinstrumente. Dann war es wieder Wirklichkeit und es kam der Sultan - in normalem Abendanzug, das heißt in Indonesien: mit Batikhemd. Unser Team durfte sich mit den Honoratioren von Yogya aufstellen und wurde fotografiert.

Drachen
Aufführungen auf der Willkommensparty
Sultanempfang
Der Empfang beim Sultan

Am Montag startete die IJSO mit der Eröffnungszeremonie, am Dienstag, Donnerstag und Samstag waren für die Schüler die Testtage, dazwischen gab es viel zu sehen. Mit uns waren 35 Nationen mit ihren Schülerteams angereist, fünf mehr als im Vorjahr! Wie im Vorjahr wurden alle Delegationen vom indonesischen Präsidenten Dr. Sushilo Bambang Yudhoyono Begrüszlig;t. Auch das Programm der zweiten IJSO war sehr großzügig angelegt: Volle zehn Tage durften wir Gäste der indonesischen Regierung sein. Immerhin waren von den Schülern auch drei Testtage zu bewältigen, eine allgemeine Klausur zu Biologie, Chemie und Physik, ein Multiple-Choice-Test in diesen drei Fächern sowie ein praktischer Test über alle drei Fächer. Dieser handelte von der pflanzlichen Transpiration.

Experiment
Bertram Arnold vor dem Transpirationsexperiment

Zwischen den Aufgaben bekamen die Schüler auf Touren viel zu sehen, unter anderem den berühmten Buddha-Tempel Borobodur, der vor etwa 160 Jahren von einem holländischen Archäologen aufgrund von Literaturstudium wiederentdeckt und aus dem Regenwald ausgegraben wurde. Exkursionen zum nach einem Erdbeben wiederaufgebauten hinduistischen Tempel Prambanan, in kunsthandwerkliche Dörfer, die mit Keramik oder Batiken aller Art für ihren Lebensunterhalt sorgen, sowie in die Natur zum Gunung Merpati, dem zweitgrößten Vulkan, der alle sieben Jahre eine große Eruption zeigt sowie zum Strand von Yogyakarta standen neben Shopping und Freizeitspielen auf dem Plan.

Die erwachsenen Delegationsleiter hatten in der Zwischenzeit viel zu tun: Check und Übersetzungen der Klausuren, Korrigieren der Arbeiten, Moderation der Schülerarbeiten sowie Diskussion um die Statuten und den Syllabus.

Letzteres war sehr erfolgreich, denn die Statuten konnten so geändert werden, dass es künftig für uns noch interessanter werden wird, an diesem Wettbewerb teilzunehmen: Die praktischen Prüfungen werden schon im nächsten Jahr als Teamwettbewerb durchgeführt, das heißt, Dreier-Teams aus je einem oder einer biologisch, chemisch und physikalisch Begabten arbeiten gemeinsam an einer praktischen integrativen Aufgabe. Die theoretischen Prüfungen bleiben Individualwettbewerbe. Die Gewichtung soll in folgendem Verhältnis erfolgen: Multiple Choice (30 %), Theoretische Komplexaufgabe (30 %), Praktische Aufgabe im Team (40 %).

Am 12. Dezember war es dann soweit: Auf der Abschlusszeremonie, auf der wieder unter dem IJSO-Song Filmbilder der vergangenen Woche vorgestellt wurden, erfuhren alle Teilnehmer die Ergebnisse. Indonesien zählte neben Taiwan und Korea zu den Gewinnern dieses Wettbewerbes, gefolgt von Russland. Unser deutsches Team konnte mit einer Goldmedaille für Thai Le Tran und fünf Silbermedaillen fünftbeste Nation werden.

Erschöpft, aber glücklich und um einige Erfahrungen reicher kehrte unser Team am 14. Dezember nach Deutschland zurück. Selbst in abgelegenen Winkeln wie Dithmarschen wurde man auf das Ereignis bald aufmerksam, wie der Dithmarscher Landeszeitung zu entnehmen war.

Weitere Bilder:

Borbobodur
Der Borbobodur Tempel.
Prambanan
Der Prambanan Tempel.
Sheraton-Hotel
Das Sheraton-Hotel Mustika, wo die Erwachsenen untergebracht waren, erreicht man mit einer Straße, die zum Dachgeschoss (7. Stock) führt.
Batiktechnik
Die traditionelle Batiktechnik wird meist von Frauen angewendet. Hier wird mit Stempeln das Wachs aufgetragen.
Tonhandwerk
Ganze Dörfer leben von dem Keramikhandwerk.
Jurysitzung
Hier wird übersetzt.
Moderation
Die Schülerarbeiten werden ernsthaft verteidigt.
Das Team 2005
Am Ende haben starke Schüler gesiegt.

Weitere Informationen und Bilder:

Dr. Eckhard R. Lucius, IPN