3. IJSO 2006 in São Paulo (Brasilien) vom 3.12. - 12.12.2006

Die Gold-Medaillen gab es an der Rezeption ...

IJSO 2006
Das Poster zur dritten IJSO

Zur 3. IJSO wurde erstmals von einem Veranstalter in Brasilien eingeladen. Der internationale Wettbewerb wendet sich nicht wie die Internationalen Olympiaden der Biologie, Chemie oder Physik fachspezifisch an die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 2. Er zielt vielmehr auf die mathematisch-naturwissenschaftliche Begabung Jüngerer der Sekundarstufe 1, nämlich 13- bis 15jähriger, und zwar in allen Fächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik.

Die Einladung für ein sechsköpfiges deutsches Schülerteam war wieder rechtzeitig genug, um im Frühsommer 2006 mit dem Nominierungsverfahren zu beginnen. Hierfür wurden die Landesbeauftragten der Internationalen Olympiaden gebeten, Schülerinnen und Schüler mit einem Anmeldeformular bis zum 16. September 2006 bei der Bundesgeschäftsführung der IBO/IJSO anzumelden. Diese durften am 31. Dezember dieses Jahres noch keine 16 Jahre alt sein, oder anders ausgedrückt: Im Jahr 1991 oder später geboren sein.

Nach einem ersten Auswahlverfahren am IPN fand das eigentliche Auswahlseminar vom 22. bis zum 25. Oktober an der Hochschule Merseburg statt.

Insgesamt wurden von allen Landesbeauftragten der Naturwissenschaftsolympiaden 70 Kandidatinnen und Kandidaten nominiert, von denen 20 Jugendliche am IPN ausgewählt wurden, an dem Vorbereitungs- und Auswahlseminar in Merseburg teilzunehmen.

Im Auswahlseminar wurden montags Seminare in Biologie und Physik sowie im Anschluss daran praktische Testaufgaben durchgeführt.

Am Dienstagfrüh gab es ein Chemie-Seminar mit anschließendem Test, am Nachmittag wurde die theoretische Klausur in den Naturwissenschafts-Fächern geschrieben.

Am Mittwoch schloss sich noch ein Astronomie-Seminar an. Am Ende standen die sechs Besten fest. Für die Beteiligten war die Veranstaltung lehr- und lernreich, was auch der Presse nicht verborgen blieb.

Die 3. IJSO 2006 hat vom 3. bis zum 12. Dezember 2006 in São Paulo (Brasilien) stattgefunden.

Das Team 2006
Das Team und die Betreuer (v.l.) Eckhard Lucius, Matthias Grießner, Albert Omlor, Fridtjof Brauns, Bertram Arnold, Lisa Sauermann, Alexander Schulze, Christoph Dahnke, Christiane Mühle und Stefan Petersen vor der Eröffnungsfeier.

Unser Team hat dabei wieder einmal bewiesen, dass Deutschland international seine Talente nicht zu verstecken braucht: Mit 2 Gold- (Bertram Arnold, Alexander Schulze), 2 Silber- (Albert Omlor, Lisa Sauermann) und 2 Bronzemedaillen (Fridtjof Brauns, Christoph Dahnke) sind wir sechstbeste Mannschaft weltweit von 31 Teams aus 30 Nationen geworden, nach Korea, Taiwan, Russland, Thailand, Indonesien. Daneben erhielt das Team A (Bertram Arnold, Alexander Schulze und Lisa Sauermann) für die praktische Teamarbeit als drittbestes Praxis-Team eine Bronzemedaille.

Schon bald zeigte sich aber auf dieser IJSO, dass der Ausrichter, eine privat gegründete Bildungseinrichtung eines einzelnen Lehrers, nicht immer der Organisation gewachsen war, auch wenn Unterbringung und Verpflegung im allgemeinen nichts zu wünschen übrig ließen. So wurde neben Transportproblemen vom Airport unter anderem eine Finanzierungslücke deutlich. Einzelne Hotelmanager sahen sich dazu veranlasst, Druck auf die untergebrachten, internationalen Delegationen auszuüben, indem sie diese teilweise aus ihren Zimmern ausschlossen. Alle hatten aber wie wir auch die Unterbringung und Verpflegung bereits bezahlt, und zwar in Form von Gebühren an den Ausrichter.

Nach einigen weiteren Vorfällen war beinahe schon vorauszusehen, dass sich am Ende diese IJSO "etwas anders als erwartet" entwickeln könnte. So war denn auch am vorletzten Tag der Organisator verschwunden, die Hotels zum Teil nicht bezahlt, die Closing Ceremony fiel ins Wasser, Medaillen gab es zunächst gar nicht, dann aber noch am Abreisetag an der Rezeption. Unsere Schüler wurden aus einem der Schüler-Hotels, das uns eine Rechnung präsentierte, nach unserer Zahlungsweigerung rausgeworfen, aber bestens von der deutschen Botschaft aufgenommen. Diese war vorab schon informiert worden und insbesondere der dortige Kulturattachee, Franziska Potel, hatte die Möglichkeit der Unterbringung des deutschen Teams vorhergesehen und vororganisiert. Das deutsche Team war aber von allen Nationen das einzige, das dieses Hilfsangebot die ganze Zeit in der Hinterhand hielt und somit souverän über den Dingen stehen konnte.

Für unsere Schülerauswahl der 14-/15-Jährigen war das Ganze einfach nur ein Abenteuer, wie man es in diesem Alter gerne erlebt. Unserer Mannschaft ging es Dank unserer Konsulin Potel, die kurzerhand in ihrer Wohnung Betten bezogen hatte, ausgezeichnet. Das deutsche Team regt an, ihr Verhalten in den Stunden des Chaos besonders zu würdigen. Sie hat immer souverän über den Dingen gestanden und die Probleme unseres Teams vorausschauend gelöst.

Potel
Kulturattachee Franziska Potel von der Deutschen Botschaft in S�o Paulo ließ kurzerhand ihre Beteiligung an der Weihnachtsfeier ausfallen und feierte mit dem deutschen Schülerteam in ausgelassener Stimmung die "Abschlussparty" in einem gemütlichen Restaurant. Die zunächst ausgefallenen Medaillen wurden zur Freude aller Beteiligten kurzerhand durch beschriftete Bierdeckel ersetzt

Jede Medaille hat zwei Seiten: Hier das lokale Debakel, dort eine internationale Jury, die wie eine Familie zusammenhielt, um die unbefriedigend vorbereiteten Aufgaben ins Reine zu bringen. Der Wettbewerb an sich wurde gerettet, und die IJSO-Familie wuchs trotz internationaler Unterschiede zusammen für alle Zukunft. Ich möchte hier besonders unser deutsches Mentorenteam Matthias Grießner, Christiane Mühle und Stefan Petersen loben, die viel zur Rettung beigetragen haben: "Situations make no differences", das gilt besonders für Talente. Unser Team hat das mit dem vorliegenden Ergebnis bewiesen.

Trotzdem oder vielleicht auch wegen des Erfolges konnten wir einiges von Brasilien auch noch genießen, besonders unser Team am letzten Tag auf dem Strand von Santos. Glücklich und gesund sind alle Schüler inzwischen in ihrer Heimat.

Wir müssen uns keine Sorgen machen um die Ausrichtungen der nächsten IJSOs, geschweige denn über deren Fortbestehen. 2007 tritt Taiwan als Ausrichter ein, wobei Prof. Chang als Organisator seit langem mit dem IPN in Geoprojekten (System Erde) zusammenarbeitet. 2008 wird Korea mit unserem persönlichen Freund Prof. Lee dafür sorgen, dass der Wettbewerb auf höchstem Niveau stattfindet.

Santos
Erholung in Santos

Verbuchen wir also das soeben Erlebte als Abenteuer. Schade, denn Brasilien ist alles andere als eine Bananenrepublik in schlechtem Sinne. Selbst die dortigen Medien wie beispielsweise "O Estado De São Paulo" ließen kaum ein gutes Haar an der Organisation.

Denn in Brasilien kann man organisieren. Es hing vieles nur an einem Mann, dessen Motive sehr im Unklaren sind...

Weitere Informationen:

Dr. Eckhard R. Lucius, IPN