18. IBO 2007 in Saskatoon (Kanada)

Die Sicht eines Schülers: vom Teammitglied Arne Jahn

Im kanadischen Saskatoon mitten im Bundesstaat Saskatchewan, der bei nur vier Millionen Einwohnern etwa zweieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland, fand die 18. Internationale BiologieOlympiade vom 15. bis zum 22. Juli statt.

Umsteigen in Calgary
"Umsteigen" in Calgary

Vor uns standen ein langer Flug von fast zehn Stunden bis Calgary und dann noch einmal eine Stunde bis Saskatoon, der größten Stadt Saskatchewans, der Kornkammer Kanadas: Landwirtschaft so weit das Auge blicken kann, alle 40 Meilen eine Farm, und auch riesige, gerade erst aufgeblühte Rapsfelder. Von diesen weiß man, dass sie bis zu 60 Prozent gentechnisch verändert sind.. Acht Stunden Zeitverschiebung und ein 24-Stunden-Tag sorgten dafür, dass wir "früh" in unsere Betten fielen, um uns vom Jetlag zu erholen.

Treffpunkt am 14.07.2007 war der unüberschaubare, riesige Flughafen Frankfurt am Main. Als erste Herausforderung galt es, sich dort zurechtzufinden und den Sicherheitsbestimmungen Folge zu leisten, dann hieß es: Auf nach Kanada!
Erster Eindruck

Der erste Eindruck: Kein Gebirge, alles flach, unbewaldet; Straßen bis zum Horizont, die Felder begrenzen, in denen immer wieder kleine Teiche zu finden sind; große Autos und Straßen; kleine Häuser; über der Stadt ein Staubschleier. Das Land hatten wir uns so nicht vorgestellt – wo waren der boreale Nadelwald, das Gebirge? In der Stadt fühlten wir uns an amerikanische Filme erinnert und wurden von Globetrottern bestätigt, welche schon einmal in den USA waren. Aber Vorsicht, das will kein Kanadier hören!

Am nächsten Tag, einem Sonntag, machten wir die ersten internationalen Bekanntschaften mit Argentiniern, Bulgaren, Chinesen, Dänen, Esten, Finnen, Griechen, ... und Zyprioten.

Gruppenfoto
Die Teilnehmer der Internationalen BiologieOlympiade

Unser Guide, Marcel, führte uns nach der Zuteilung unserer Zimmer im Wohnheim der University of Saskatchewan über das Universitätsgelände. Man kann es sich wie Harvard oder Oxford vorstellen, an welche die Architektur angelehnt ist: grüner englischer Rasen und prächtige Backsteingebäude. Der ganze Campus ist untertunnelt – wir fragten uns warum und hielten es bei fast 40 °C nicht für möglich: im Winter, der mehr als sechs Monate dauert, herrschen hier Temperaturen von bis zu - 40 °C. Dann ist es sehr hilfreich, sich nicht durch Schneegestöber kämpfen zu müssen. So weit weg vom Äquator waren aber eher die Temperaturen im Sommer als der kalte Winter verwunderlich.

Am Nachmittag machte sich dann eine Gruppe von fast 200 jungen Biologen auf den Weg zum Prachtstück der Universität, der Canadian Light Source – ein Elektronenbeschleuniger, der sowohl für die physikalische als auch biologische Forschung, so beispielsweise für die Genexpressionsforschung, genutzt wird.

Den Rest des Abends verbrachten wir mit der Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit mit Hilfe von Schokolade, Käse, Marshmellows (Mäusespeck) und Mikrowellen. Bei den vielen Bekanntschaften, die man hier machte, war es schwierig, alle Namen und Herkunftsländer richtig zuzuordnen.

Übersetzer bei der Arbeit
Die Übersetzungen in die jeweilige Landessprache verantworten die Teamleiter

Am Montag wurde die 18. Internationale BiologieOlympiade nach dem Einmarsch von 49 Nationen, in oftmals traditionellen Kostümen, von vielen Festrednern offiziell für eröffnet erklärt. Es folgten die Besichtigungen der Labore und eine letzte Wiederholung, bevor man früh ins Bett ging. Währenddessen bereitete die internationale Jury die Aufgaben vor: Diskutieren und Übersetzen bis spät in die Nacht

Auf in die Prüfung! Vier große Gruppen mit unterschiedlich gefärbten Kitteln und dem Rest der nötigen Ausrüstung setzten sich am Dienstag in verschiedene Richtungen des Campus in Bewegung. Jeweils 90 Minuten verbrachten wir an folgenden Stationen:

Nach den Strapazen dieses Tages fuhren wir mit dem Bus nach Wanuskewin zu einer Art Gedenkstätte für die Indianer Kanadas, wo wir eine unruhige Nacht an Lagerfeuern und in Tipis verbrachten.

Der Vormittag des folgenden Tages war straff organisiert: Bogenschießen, Tipibau, Dokumentationsfilme und Führungen. Den Rest des Tages hatten wir Freizeit und schauten noch die eine oder andere Seite unserer Bücher an.

Die zweiteilige theoretische Prüfung war von unseren Juroren bis in die frühen Morgenstunden des Donnerstag übersetzt worden. Hier sollte sich alles entscheiden, weil die praktischen Prüfungen bisher nicht allzu starke Leistungsunterschiede der Prüflinge offenbarten.

Nachdem der Prüfungsstress vorbei war, atmeten wir alle auf und genossen ab diesem Zeitpunkt Kanada und die Gemeinschaft junger Menschen doppelt und dreifach. Jedoch, die Nacht war kurz, weil es um 5:30 Uhr am Freitag schon wieder zum Frühstück und danach in den Bus, zum Prince Albert National Park, ging. Dort fanden wir endlich den lang ersehnten Nadelwald und die riesigen Seen. In Museen erfuhren wir mehr über die Natur Kanadas und deren Ureinwohner. Wanderungen gehörten eher weniger zum Programm, waren aber auch nicht immer möglich, weil die Mücken uns an allen möglichen Stellen aussaugten. Beachtlich waren auch die Vielfalt der Libellen und karnivore Pflanzen.

Am Samstag kamen alle schwer aus den Betten. Nach einem Besuch im Western Develop-ment Museum, in dem eine historische Straße aus Westernzeiten aufgebaut war, zwängten wir uns alle zum zweiten Mal in Kleider, Anzüge und Trachten. Es stand die feierliche Preisverleihung an, bei der es einige Überraschungen, aber auch Enttäuschungen gab. An der Spitze trafen sich ganz "unerwartet" China, Thailand, Korea, Taiwan und die USA. Glücklicherweise verteidigten die Briten die Ehre der Europäer und holten zwei Goldmedaillen. Unsere Mannschaft schloss mit einer Silber- (Thai Le Tran) und zwei Bronzemedaillen (Christina Kuhlmey und Simon Mages) durchschnittlich ab. Da drei unserer Starter aber noch einmal teilnehmen können, sind wir nun hoch motiviert, uns über das Jahr vorzubereiten, um uns noch um einige Plätze zu verbessern.

Teilnehmer bei der Abschlusszeremonie
Barbara Hoggard-Lulay, Ralf Kittler, Thai Le Tran, Dennis Kappei, Christina Kuhlmey, Simon Mages, Arne Jahn, Christiane Mühle, Marcel Risch (Guide), Eckhard Lucius

Als sehr nett können wir den hohen Besuch bezeichnen, den wir auf der Abschlusszeremonie begrüßen durften: Die Honorarkonsulin der deutschen Botschaft in Kanada, Barbara Hoggard-Lulay gab uns die Ehre, drückte die Daumen und freute sich mit uns über die Medaillen. Für uns war es sehr angenehm, auf diese Weise das Gefühl vermittelt zu bekommen, dass sich die Bundesregierung weit über die Grenzen Deutschlands hinaus um das deutsche Team der BiologieOlympiade kümmert.

Nach dem gemeinsamen Abendbrot aller Teams und Betreuer, vergnügten sich viele in der Disko und zeigten damit, dass sie nicht nur Biologen sind. Ab dem späten Abend war die Stimmung dann aber gedrückt, weil sich die ersten Biologen auf den Heimweg machten. Das deutsche Team blieb noch bis zum Dienstag. Am Sonntag mieteten wir uns einen riesigen Ford für neun Leute und zogen mit unserem Betreuer, der sich schon in der Umgebung Saskatoons auskannte, in Richtung Süden los.

Deutsches Team in Moose Jaw

In Moose Jaw angekommen, freuten wir uns über die Wahl unseres Ausflugsziels, weil wir kühle Tunnelsysteme besichtigten, in denen Chinesen früher zu unmenschlichen Arbeiten gezwungen wurden und Al Capone sein Unwesen trieb. Auf den Straßen stand die kontinentale Hitze. Es war kaum auszuhalten. Auf der Rückfahrt hielten wir am Diefenbaker Lake, fütterten Frösche und trafen das niederländische Team.

Teilnehmer im Prince Albert National Park

Am Montag machten wir noch einmal eine Tour mit dem Auto in Richtung Norden. In Fort Carlton erfuhren wir mehr über Fallensteller, Indianer, Felle und das Leben in der Prärie. Später, im Prince Albert National Park angekommen, beobachteten wir per Motorboot Pelikane und genossen die kanadische Sonne. Der Abend wurde durch ein Essen in einem italienischen Restaurant abgerundet. Vollkommen übermüdet, aber als zufriedene Kanada-Entdecker, reisten wir ab.

Wir sind überglücklich, diese Möglichkeit geboten bekommen, so viele internationale Biologie-Bekanntschaften gemacht und einen Teil von Kanada gesehen zu haben.

Ein großes Dankeschön geht an die internationalen Organisatoren und unsere Betreuer, Herrn Dr. Lucius vom IPN in Kiel, Christiane Mühle, Doktorandin in Erlangen und Innsbruck, Dr. Ralf Kittler, Biologe in Chicago, Dennis Kappei, Doktorand in Dresden und Paris, Marcel Risch, Physikstudent in Darmstadt und die staatliche Unterstützung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.


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