1. IJSO 2004 in Jakarta (Indonesien) vom 4.12. - 15.12.2004

Ziemlich gut, für den Anfang ...

Masno
Prof. Masno Ginting gründete die IJSO

Masno Ginting, Physikprofessor aus Indonesien, hatte 2004 die Idee, eine neue Internationale Science Olympiade ins Leben zu rufen. Das Neue daran war, dass sich dieser Wettbewerb nicht wie auf den Internationalen Olympiaden fachspezifisch auf die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe 2 richtete. Er zielte vielmehr auf die Begabung Jüngerer der Sekundarstufe 1, nämlich 13- bis 15jähriger, und zwar in allen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie, Physik und Mathematik.

Die Einladung für ein sechsköpfiges deutsches Schülerteam kam etwas überraschend im Frühling 2004 für den Dezember desselben Jahres. Insbesondere ist es für Deutschland nicht leicht, einer solchen Einladung spontan zu folgen. Wenn eine bundesweite Auswahl erfolgen soll, muss wegen der Bildungshoheiten der Länder die Kultusministerkonferenz einbezogen werden. Eine weitere Frage war die der Finanzierung. Denn obwohl sich der Gastgeber von vornherein äußerst spendabel zeigte (so wurde beispielsweise versprochen, die Kosten zweier Flugtickets eines jeden Teams zu bezahlen), waren weitere Kosten von Deutschland zu tragen, beispielsweise neben den Reisekosten auch die der Auswahl geeigneter Schüler.

Auswahl
15 Schüler aus ganz Deutschland trainierten für Jakarta

Das IPN löste in Zusammenarbeit mit dem BMBF und der Kultusministerkonferenz diese Schwierigkeiten, und so konnte am Ende der Sommerferien ein einzigartiges Nominierungsverfahren starten. Beauftragte der Kultusministerien benannten bis Mitte September 56 junge Kandidat(inn)en, die zumeist Preisträger von Mittelstufenwettbewerben waren. Von diesen wurden 15 Schüler am IPN ausgewählt und eingeladen, zu einem Auswahlseminar nach Merseburg zu kommen. Die dortige Fachhochschule hatte sich unter der Leitung von Dr. Almut Vogt 2004 ("Chemie zum Anfassen") bereits beim Auswahlverfahren zur Chemieolympiade bewährt. Das Auswahlseminar der IJSO fand dort vom 3. bis zum 6. Oktober statt. Am Ende standen die neun Besten fest, und auch in der Presse gab es Resonanzen und Berichte.

Dann musste die Reise nach Jakarta vorbereitet werden. Sehr hilfreich stand uns, dem IPN, hierbei die indonesische Botschaft in Berlin zur Seite, denn wir sollten mit einem besonderem Visum ausgestattet werden. Auch waren Fragen zu Impfungen zu klären und besorgte Eltern zu beruhigen: leider hatte es zu allem überfluss am 9. September einen Terror-Anschlag auf die australische Botschaft in Jakarta gegeben...

Das Team
Das deutsche Team auf der ersten IJSO vor dem Präsidentenpalast in Jakarta. Von links: Lisa Hutschenreiter, Stefan Noack, Franziska Flegel, Richard Bardl, Eckhard Lucius (Betreuer), Sebastian Kutz, Dave Hartig, Stefan Petersen (Betreuer), Angela Koch (Betreuerin)

Unter diesen Umständen erwies es sich als günstig, dass wir neun Kandidaten ausgewählt hatten. Am Ende konnten sich sechs Schülerinnen und Schüler auf die Reise vorbereiten: Stefan Noack (Johannes-Kepler-Gymnasium, Chemnitz), Sebastian Kutz (Landesschule Pforta, Schulpforte), Dave Hartig (Max-Steenbeck-Gymnasium, Cottbus), Richard Bardl (Carl-Zeiss-Gymnasium, Jena), Franziska Flegel (Georg-Cantor-Gymnasium, Halle) und Lisa Hutschenreiter (Martin-Andersen-Nexö-Gymnasium, Dresden).

Nach 14 Stunden Flugzeit über Singapur landete das deutsche Team am 5. Dezember sicher auf dem Flughafen Soukarno Hatta in Jakarta. Dort wurden wir herzliche empfangen: jeder Teilnehmer erhielt als Gastgeschenk eine Blumenkette um den Hals. Zusammen mit zwei weiteren Teams wurden wir von einem Guide abgeholt. Nach einem kurzen Abendessen in einer landestypischen Garküche wurden Schüler und Betreuer auf getrennte Hotels verteilt. Mit uns waren 30 Nationen mit ihren Schülerteams angereist! Das Programm der ersten IJSO war sehr großzügig angelegt: Volle zehn Tage durften wir Gäste der indonesischen Regierung sein. Immerhin waren von den Schülern auch drei Testtage zu bewältigen, eine allgemeine Klausur zu Biologie, Chemie und Physik, ein Multiple-Choice-Test in diesen drei Fächern sowie ein praktischer Test über alle drei Fächer.

Sushilo
Der indonesische Präsident (rechts) empfängt am 6. Dezember 2004 jedes IJSO-Delegationsmitglied persönlich

Am Montag startete die IJSO mit der Eröffnungszeremonie, am Dienstag, Donnerstag und Samstag waren für die Schüler die Testtage, dazwischen gab es viel zu sehen. Ein denkwürdiger Augenblick war für alle wohl der spontane und überaus herzliche Empfang aller Delegationen vom indonesischen Präsidenten Sushilo Bambang Yudhoyono, der sich persönlich der naturwissenschaftlichen Bildung verschrieben hat. Zwischen den Aufgaben bekamen die Schüler auf Touren viel zu sehen, unter anderem zur indonesischen Fluggesellschaft Garuda, zum Zoo, zu einem Safaripark, in den botanischen Garten von Bogor (das von den Holländern angelegte "Buitenzorg"). Auch standen Shopping und Freizeitspiele auf dem Plan. Die erwachsenen Delegationsleiter hatten in der Zwischenzeit viel zu tun: Check und übersetzungen der Klausuren, Korrigieren der Arbeiten, Moderation der Schülerarbeiten sowie Diskussion um die Statuten und den Syllabus.

Rottmann
Lisa Hutschenreiter im Gespräch mit dem Botschaftsangehörigen Dr. Michael Rottmann.

Das deutsche Team wurde während einiger Tage in Jakarta von dem Wissenschaftsattaché der deutschen Botschaft, Dr. Michael Rottmann, begleitet. Diese Betreuung war auch den 14- und 15-Jährigen eine große Hilfe, denn Dr. Rottmann hatte viel aus seinem südostasiatischen Erfahrungsschatz zu erzählen.

Am 13. Dezember war es dann soweit: Auf der Abschlusszeremonie, auf der auch der IJSO-Song vorgestellt wurde, erfuhren alle Teilnehmer die Ergebnisse. Kein Wunder: Indonesien zählte zu den Gewinnern dieses Wettbewerbes, auch andere asiatische Nationen konnten sich im Goldbereich ansiedeln. Unser deutsches Team war sehr zufrieden mit fünf Silber- und einer Bronzemedaille, denn die Vorbereitungszeit war ja doch sehr kurz gewesen. Diese Leistung fand sogar in der Jakarta-Post Beachtung.

Erschöpft, aber glücklich und um einige Erfahrungen reicher kehrte unser Team am 15. Dezember nach Deutschland zurück - nicht ahnend, dass Indonesien, diese Nation mit seiner liebenswürdigen Bevölkerung, nur zehn Tage später von einem Seebeben und einer Tsunami-Welle heimgesucht werden sollte.

Dieses war sicherlich mit ein Grund, dass die Kieler Nachrichten über den schleswig-holsteiner Silbermedaillist Sebastian Kutz so spät berichteten.

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Weitere Informationen und Bilder

Dr. Eckhard R. Lucius, IPN